Hier stellen wir Ihnen unseren Faltplan "Der ganze Schlosspark - ein kulturelles Kleinod im mittleren Kinzigtal" vor.

Der Faltplan im handlichen DIN-A-5-Format ist in großer Stückzahl erhältlich. Sprechen Sie uns einfach an.

Nachstehend finden Sie eine elektronische Vorschau zum Herunterladen.

 

Der Faltplan stellt den Schlosspark dar, erläutert ihn allgemeinverständlich und stellt ihn in seinen kulturgeschichtlichen Gesamtzusammenhang. Zu weiteren Landschaftsparks in der Region stellt er Bezüge her.

„Herzlichen Dank für die Übermittlung der Publikation zum Wächtersbacher Schlosspark. Mein Kompliment an den Altstadtförderverein für die sehr übersichtliche, gute grafische Gestaltung und die vielen interessanten Details, die trotz der schwierigen Überlieferungssituation zusammengetragen wurden.“

 

"… liebevoll und ausführlich, inspiriert zu einem Besuch in Wächtersbach und zu einem Rundgang durch den mir völlig unbekannten Park."

 

„Vielen Dank für die Publikation "Wächtersbach - Der ganze Schlosspark". Der erste Eindruck: Eine sehr gute Infobroschüre! Glückwunsch zur Veröffentlichung.“

 

„Die Broschüre ist wirklich ein Traum, Respekt!“

 

„Ich bin total begeistert.“

 

„Bitte je ein Exemplar für Kindergarten und Grundschule.“

  

Diese und ähnliche Rückmeldungen erreichten uns von Fachleuten und Parknutzern.

 

Die Publikation ist im Ganzen frei verwendbar. Bitte trennen Sie nicht einzelne Teile heraus. Sie ist bei der Deutschen Nationalbibliothek erhältlich. Die Registrierungsnummer lautet des Faltplans IDN 1206005351. Die elektronischen Fassungen sind registriert unter IDN 1210213192 bzw. 1210211912. 

Download
Karte zur Bildschirmansicht (PDF; 1,3 MB; 1 DIN-A1-Seite; 59,4 x 84,1 cm)
Schlosspark-Waechtersbach-Bildschirmansi
Adobe Acrobat Dokument 1.3 MB
Download
Karte zum Selbstausdruck auf A4-Seiten (PDF; 1,6 MB; 8 DIN-A4-Seiten)
Schlosspark-Waechtersbach-A4-Selbstausdr
Adobe Acrobat Dokument 1.6 MB
Download
Wächtersbach – Ein Wasserkunstwerk (PDF; 675 KB, 14 DIN-A4-Seiten)
Wächtersbach-Ein-Wasserkunstwerk.pdf
Adobe Acrobat Dokument 674.8 KB

Der Main-Kinzig-Kreis hat uns im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe GartenKunstGenuss eine Kurzvorstellung des Parks ermöglicht. Das Video ist hier abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=06ZRfN7u3f0&feature=youtu.be

Aufnahmedatum ist der 7. März 2020, die Veröffentlichung erfolgte am 14. Mai 2020.

 

Die Recherchen für den Faltplan waren sehr umfangreich. Wir haben eine große Anzahl zusätzlicher Informationen erhalten, die seinen Rahmen gesprengt hätten.

 

Spekulatives hatte im Faltplan selbstverständlich keinen Platz.

 

Deshalb ergänzen wir an dieser Stelle zusätzliche Hintergrundinformationen sowie begründete Vermutungen, die als Grundlage für weitere Forschungen dienen können.

 

(Die in Klammern angegebenen Quellen sind beim Heimat- und Geschichtsverein erhältlich.)

 

Um die Parkgeschichte besser einordnen zu können, seien hier folgende lokalhistorische Ereignisse aufgeführt:

1865: Die Reichsgrafen erhalten anlässlich der Hochzeit von Ferdinand Maximilian III. von Ysenburg mit Augusta Marie Gertrude von Hanau, Tochter des Hessischen Kurfürsten, von diesem den Fürstentitel verliehen. 1866: Kurhessen wird preußische Provinz. 1939: Schlossbrand. Die fürstliche Familie zieht ins Prinzessinnenhaus. 1942: Nach dem Erlöschen der Büdinger Linie mit dem Tod des Fürsten Karl (1940) zieht die fürstliche Familie ins Büdinger Schloss. 1. August 1958: Die in ganz Mitteleuropa spürbare Sturmkatastrophe zieht auch den Schlosspark in Mitleidenschaft (vgl. Gerhard Jahn: Der Tag, an dem es Dachziegeln regnete). Verweisen möchten wir an dieser Stelle auch auf die bemerkenswerte Veröffentlichung des Fördervereins Schloss+Park: „Vereine machen Zeitung“, Gelnhäuser Tageblatt vom 21. Januar 2006 Seite 25.

Schließlich erwirbt die Stadt zuerst den Schlosswald, dann das Schloss mit dem übrigen Schlosspark.

 

Die Parkgeschichte rahmen diese Informationen ein. Sie wurden uns von einem Fachmann übermittelt mit der ausgesprochenen Ermunterung für unsere weitere Arbeit:

·         Auf Graf Adolf zu Ysenburg-Wächtersbach (1795 - 1859), ganz besonders aber auf seine Gattin Philippine, geb. zu Ysenburg-Philippseich (1798-1877), geht die Gestaltung des Schlossparks in erster Linie zurück.

Vergleichbar ist der Park auch mit den Anlagen in den übrigen Ysenburger Residenzen:

·         Im Schlosspark Meerholz hat Bodenbender ebenfalls mitgewirkt. Er war dort ansässig. Vgl. dazu am Ende dieser Seite. Weitere Quellen: Gartenhistorische Bachelorarbeit von Nathalie Sauer; Aufsätze von Seibig und Fröhlich.

·         Schlosspark Büdingen: Zu diesem gibt es von 1989 die gründliche "Entwicklungsplanung" als Diplomarbeit an der FH Geisenheim von Dipl. Ing. Anette Schött mit einem umfangreichen historischen Teil (Stadtarchiv Büdingen). Zur Auswertung dieser Arbeit siehe am Ende dieser Seite.

·         Der Park um Schloss Philippseich bei Götzenhain (Dreieich) ist aus einem barocken "Thiergarten" hervorgegangen. Graf Adolf zu Ysenburg-Wächtersbach (1795 - 1859) war mit Gräfin Philippine (1798-1877) aus der Linie Ysenburg-Philippseich verheiratet; es gab enge persönliche Beziehungen dorthin. (Anmerkung: Eine barocke Parkanlage auf terrassiertem, eingefriedetem Gelände ist dort noch gut erkennbar.)

·         Rolle der Frauen: Die Rolle der Gräfin Philippine, geb. zu Ysenburg-Philippseich, darf bei der Anlage des Landschaftsparks keinesfalls unterschätzt werden. Die Bodenbendersche Aussichtsterrasse ist als Philippsruhe überliefert. Fürstin Felizitas (1914-1989), die Gattin von Fürst Otto Friedrich war eine ausgezeichnete Gärtnerin. Aus dem Riesengebirge stammend kannte sie die Gartentradition der Fürsten Reuß in Thüringen und Schlesien. Sie brachte die Kunst des Rosenschnitts und die Pflanzung von Rhododendren von Wächtersbach nach Büdingen mit.

 

Am 14. Juli 2017 wurde eine weit über 100jährige Esche am rechten unteren Fuß der Rhododendronschneise grob unachtsam gefällt und dabei die Rhododendronschneise schwer beschädigt. Mehrere Rhododendren, darunter mindestens ein ca. 80jähriger Rhododendron mussten als Totalverlust beklagt werden. Neue Rhododendren wurden gesetzt.

 

Schlosswald – vermutliche Entstehung: In der frühen Neuzeit war das Land weitgehend entwaldet. Nutzungskonflikte zwischen dem Adel und Bauern um die verbliebenen Wälder waren an der Tagesordnung. Sehr selten und deswegen als Baumaterial sehr wertvoll waren alte Eichen. In diesem Zusammenhang könnte der heutige Schlosswald angelegt worden sein. Er wurde mit Eichen aufgeforstet. Sodann wurde er eingezäunt und als „Thiergarten“ angelegt. Die Vermutung liegt nahe, dass hier unter anderem oder hauptsächlich Damwild gehalten wurde. Seit der Renaissance wurde Damwild aus dem Mittelmeerraum eingeführt und in Gehegen gehalten, aus denen es später entkam. Auch heute noch ist im Büdinger Wald Damwild anzutreffen (zur Einzäunung des ehemaligen Thiergartens Dr. Ackermann: Thiergarten – Lustgarten – Schlosspark – Stadtwald beim Schloss in Wächtersbach).

 

So fand ca. 200 Jahre später Bodenbender die beiden Waldinseln vor, die „Eichenwald=Parthie“.

 

Der Verlauf des Waldrands entspricht nicht nur im Bereich der Rhododendronschneise, sondern auch links und rechts davon mit seinen deutlichen Einbuchtungen bis auf den heutigen Tag weitestgehend dem von Bodenbender dokumentierten. Die Einbuchtungen sind mit bis zu 100jährigen Rhododendren geschmückt.

 

Seit dem Erwerb durch die Stadt wird der Schlosswald auch „Stadtwald“ genannt. Beide Bezeichnungen stehen für den bewaldeten Teil des Schlossparks.

 

Zeitzeugen zufolge war der Parkrand bis in die 1950er Jahre durch einen Zaun markiert, so entlang der Feldgemarkung und im Bereich der Fasanerie.

 

Schlossgarten: Zeitzeugen zufolge ist dieser Begriff mehrdeutig: Im gängigen Kontext bezeichnet dieser Begriff in etwa den Teil des Schlossparks, der dem Areal des untergegangenen barocken Lustgartens entspricht, also etwa vom Verkehrsbüro bis zur Zinnenmauer. Historisch wurde damit aber auch der zum Schloss gehörige Gemüsegarten auf dem späteren Brauereigelände bezeichnet. Er lag an der Schweizerei (vgl. Luftbilder 1957-13 und 1964-45). Von dieser rührt das noch heute so genannte Kuhstall-Gebäude. Es grenzt an den Stufengiebel und wird derzeit (2020) durch das Altstadtparkhaus ersetzt. Hin und wieder wird „Schlossgarten“ auch als Synonym für den gesamten Schlosspark gebraucht.

 

Bodenbenderplan: Die kalligrafisch ausgestaltete Überschrift lautet: „Plan zur Anlage des Schlossgartens für Seiner Erlaucht dem regierenden Herrn Grafen zu Ysenburg Wächtersbach“. Nicht übersehen werden sollte, dass es sich hierbei um ein kunstvoll ausgestaltetes Gemälde handelt. Es nimmt eine imaginäre Vogelperspektive ein und verwehrt dem Betrachter beispielsweise, durch das Laubdach der „Eichenwald=Parthie“ hindurchzuschauen.

 

Von der Altstadt trennt den Park eine Mauer. Zwischen Lindenplatz und der Straße am Schlosspark wurde die Mauer im Zusammenhang mit der Beseitigung des Entrée um 1960 niedergelegt. Vgl. dazu den Bodenbenderplan, dort ist die Mauer verzeichnet. Auf historischen Filmaufnahmen von 1952 ist sie gut sichtbar.

 

Zur funktionsunfähigen Aussichtsterrasse (Philippsruhe): Diese ist auch dem Namen nach die Keimzelle des Landschaftsparks, vgl. oben zur Gräfin Philippine, geb. zu Ysenburg-Philippseich. Hierzu ist anzumerken, dass die fortschreitende Verwaldung in diesem Bereich ein typisches Problem historischer Landschaftsparks darstellt. Durch die Sanierung in diesem Bereich erhält der Park sein Gesicht zurück. Als zwei beliebige Referenzprojekte seien hier Wörlitz und der Schönbusch genannt. In diesen Parks hatte das Problem freilich viel größere Dimensionen. Die vom Wald befreiten Flächen bieten dann Potential für eine denkmalgerechte Neugestaltung.

 

Wächtersbach: Ein Wasserkunstwerk (Diese Arbeit können Sie ebenfalls oben herunterladen, Deutsche Nationalbibliothek IDN 1210212331.)

Der denkmalpflegerische Wert des Parks besteht nicht nur in der Gartengestaltung, sondern auch in der Wasserkunst. Begleiten Sie auf einem virtuellen Spaziergang die Wächtersbacher Bäche von ihren Quellen bis zur Kinzig.

Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Abfolge von Angel-, Bade-, Forellen-, Prinzessinnen- und Schlossweiher sowie der sie verbindenden Bachläufe. Allein diese sind ein Gesamtkunstwerk. Zu erwähnen ist der sprudelnde Abfluss des Badeweihers, der hinter einer Hecke verborgene Bach, der Wasserfall und die Wiese mit Bachläufen.

 

Im Schlossgarten hingegen, also zwischen Prinzessinnenweiher und Schlossweiher, gibt es kein Wasser. Das unterscheidet ihn vom barocken Lustgarten, der vor Begründung des Landschaftsparks an dieser Stelle lag. Die Bodenbendersche Leistung lag also nicht nur in der Begründung des Landschaftsparks, sondern auch in einer grundlegenden Neuordnung der repräsentativen Wassernutzung.

 

Der Schlossweiher wurde vor einigen Jahren unfachmännisch saniert, woraufhin sich das Wasser unvorhergesehene Wege in die Altstadt suchte. Der Wasserspiegel wurde daraufhin abgesenkt. Er soll 2020/21 abschließend saniert werden.

 

Gartensaalgemälde (vgl. Dr. Ackermann: Die Wandmalereien im Gartensaal der Rentkammer Schloß Wächtersbach):

Sie wurden 1935 anlässlich der Hochzeit Otto Friedrichs mit Felizitas Reuß angefertigt. Die Gemälde sind im Biedermeierstil gehalten und geben somit vor, 100 Jahre älter zu sein. Es handelt sich um idealisierte Ansichten der Ysenburger Residenzen Ronneburg (großformatig gegenüber dem Eingang über dem Kamin), Meerholz, Büdingen und Wächtersbach. Die Motive und die Art der Darstellungen dürften im Zusammenhang mit der politischen Situation im Jahre 1935 stehen. Die fürstliche Familie war spätestens seit 1918 ohne politische Funktion und fürchtete im Dritten Reich, nun auch noch um ihren Familienbesitz gebracht zu werden. In diesem Zusammenhang ist Zeithistorikern zufolge auch die 1936 erfolgte Adoption des der Meerholzer Linie (1929 ausgestorben) entstammenden Familienoberhaupts Otto Friedrich zu sehen.

Die Eckgemälde wurden nachträglich vom Orber Maler Leo Göb angefertigt.

Die Wächtersbach-Ansicht ist ebenfalls stark idealisiert und romantisiert. Sie zeigt aber den Verlauf des Waldrandes hin zur Aussichtsterrasse, wie er im Jahre 1935 tatsächlich bestanden haben muss, vgl. dazu die historischen Filmaufnahmen von 1952. Zwischen Aussichtsterrasse und Schlossweiher sind zwei Einzelbäume abgebildet. Diese werden im Eckgemälde links davon vergrößert im Detail dargestellt. Ein Anhaltspunkt dafür, dass diese Bäume tatsächlich existiert haben, liegt nicht vor.

 

Bei der Fasanerie handelte es sich ursprünglich um ein separat eingezäuntes Anwesen. Hier gab es um 1900 eine Geflügelzucht.

 

Der Pleasureground

Das Schlossumfeld kann auch als Pleasureground bezeichnet werden (vgl. im Leitkonzept). Dieser Begriff bedarf zunächst einer Klärung. Er bedeutet in heutigem Deutsch etwa: Hobbygarten. Ein Missverständnis wäre es anzunehmen, der Pleasureground hätte in der Gesamtanlage des Parks eine dienende Rolle, um das Schloss optisch besser zur Geltung zu bringen. Der Begriff des Pleasuregrounds wurde von Fürst Pückler in England abgeschaut und in Deutschland eingeführt. Bei der Übertragung ergab sich bereits ein wichtiger Unterschied:

In England waren zu dieser Zeit alle Parks der Öffentlichkeit verschlossen. Fürst Pückler legte aber Wert darauf, dass sein Park von Beginn an öffentlich zugänglich war. Davon nahm er den Pleasureground aus und zäunte ihn ein. Der Pleasureground war also vom übrigen Park genau abgegrenzt.

Der Pleasureground am Schloss übernahm so die Funktion eines "erweiterten Wohnzimmers". Dazu gehörten unter anderem Blumenbeete und Sportanlagen, typischerweise ein Tennisplatz.

Für Wächtersbach bedeutet das:

Einen vom übrigen Park abgegrenzten Pleasureground gab es hier nicht. Vielmehr war hier ursprünglich der ganze Park der Öffentlichkeit verschlossen. So hat der Pleasureground auch keine genauen Grenzen. Inwieweit sich im Pleasureground Blumenbeete befanden, wissen wir zwar nicht (vgl. J. Wolf), man wird aber etwa die Rhododendren und die Märzenbecher dem Pleasureground zurechnen können.

Was wir aber wissen: Der Pleasureground wurde für sportliche Aktivitäten genutzt. Da, wo sich heute der Spielplatz und der Bouleplatz befindet, war früher der Tennisplatz. Der Pleasureground wird also heute noch mit Spielplatz und Bouleplatz bestimmmungsgemäß genutzt.

 

Die Geschichte der Sommerterrasse ist anscheinend komplex, jedenfalls schlecht dokumentiert. In jüngerer Zeit wird sie als „Orangerie“ bezeichnet. Anscheinend wird angenommen, dass sie im 19. Jh. ein Gartenhaus bzw. eine Orangerie trug. Das gartenpflegerische Leitkonzept fordert hier weitere Forschungen ein. Fraglich könnte sein, ob man auf einer Hochterrasse eine Orangerie eingerichtet hat, die ja dann dem Überwintern von eingetopften Zitrusgewächsen gedient haben müsste. Zeitzeugen berichten aus den 1940er Jahren von einem barackenähnlichen Gebäude. Es diente Ausgebombten als Notunterkunft. Dieses Gebäude bestand spätestens 1957 nicht mehr (vgl. die Luftbilder 1957-13 und 1957-14, sie zeigen die Sommerterrasse ohne Gebäude). Später wurde das Schulungsgebäude des im Schloss residierenden Deutschen Entwicklungsdienstes errichtet. Es ist 1997 abgebrannt. Beim Brand wurde auch die Magnolie (historischer geschützter Baumbestand, vgl. auch „Baumlehrpfad“) in Mitleidenschaft gezogen. Sie wurde 2019 bei Erdarbeiten erneut beschädigt.

 

Links der Sommerterrasse wurde vor wenigen Jahren ein neuer Ginkgo gepflanzt. Auf der Rhododendronwiese links davon am Hang befindet sich ein Schacht zum Felsenkeller. Auf dieser Wiese wurde ab September 2018 Erdaushub aus der Sanierung des Prinzessinnenweihers gelagert.

 

Eiskeller/Felsenkeller: Wir verweisen auf die sehr informative Ausarbeitung im Jahrbuch 2019 des Heimat- und Geschichtsvereins. Im Detail haben Zeitzeugen dazu ergänzende Anmerkungen. So sei auf der Skizze auf Seite 55 oben der Luftschutzkeller nicht ganz exakt wiedergegeben. Das Einsiedlerhäuschen war kein Wohngebäude. Nicht völlig auszuschließen erscheint freilich, dass es wie die Baracke auf der Sommerterrasse im Zweiten Weltkrieg Ausgebombten als Notunterkunft gedient haben könnte. Zeitzeugen erinnern sich an Überreste des Einsiedlerhäuschens bis um 1965. Zu den Personen auf dem Foto auf Seite 54 unten kann angemerkt werden, dass es sich um Angehörige und Vorfahren heutiger Altstadtbewohner handelt. Die historischen Fotos (Abb. 4 bis 6) sind sämtlich auf die 1930er Jahre zu datieren.

 

Der aufgeforstete Bereich im hinteren Teil des Parks (Fichten) bietet jedenfalls Potential für eine Neugestaltung. Diskutiert wurde bereits über die Einrichtung eines Spielplatzes in Verbindung mit einer sinnvollen Nachnutzung der Fasanerie.

 

Die Feldgemarkung in ihrem Zustand vor der Aufforstung ist nicht nur auf historischen Gemälden, sondern auch auf einem Foto von 1964 (Luftbild 1964-13) gut zu erkennen. Fraglich könnte sein, ob in diesem Bereich an der Waldwirtschaft grundsätzlich festgehalten werden soll oder ob diese Parzellen für eine attraktivere Nutzung infrage kommen können. Denkbar wäre beispielsweise, sie ökologisch aufzuwerten.

 

Da sich Johannes Bodenbender auch als Förderer der Landwirtschaft einen Namen gemacht hat, könnte grundsätzlich fraglich sein, ob er an der Entwicklung des Ackerbaus auf der Feldgemarkung Anteil hatte. Hat er sie vielleicht sogar gartenbaulich in den Schlosspark integriert? Dieser Gedanke könnte ein Schlüssel zum Verständnis der halbkreisförmigen Lichtung am Übergang des Schlossparks in die Feldgemarkung sein.

 

Die Öffnung des Parks muss Zeitzeugenberichten zufolge zwischen 1918 und spätestens 1939 erfolgt sein. Für eine Übergangszeit, möglicherweise bis zum Wegzug der fürstlichen Familie nach Büdingen (1942), war der Weg am Gartensaal vorbei dieser Familie vorbehalten, um in die Gärtnerei oberhalb des Kuhstall-Gebäudes zu gelangen.

 

Gasthaus zum Erbprinzen: Es wurde als Abschluss der Blickachse errichtet, die vom Schloss über den Auffahrtdamm führt. Es wurde Zeithistorikern zufolge dem Vater von Otto-Friedrich gewidmet, dem der Fürstentitel versagt blieb.

 

Vergleich mit dem Schlosspark Büdingen (Auswertung der Diplomarbeit von Frau Anette Schött):

Anders als der Schlosspark Wächtersbach ist der Schlosspark Büdingen kein gestalteter Landschaftspark. Er ist auch keine Einheit. Der Park in Büdingen besteht vielmehr aus den Teilen Privatgarten, ehemaliger barocker Lustgarten (die Mittelachse ist noch vorhanden), Küchengarten und Hain. 

 

Vergleich mit dem Schlosspark Meerholz

 

Dieser Vergleich ist sehr ertragreich. Er gliedert sich in gartenbauliche Eigenheiten, das Leben und Wirken des ortsansässigen Johannes Bodenbender und die Platanen.

 

Als Gemeinsamkeit der Schlossparks Meerholz und Wächtersbach kann herausgearbeitet werden, dass die großen Weiher (Schlossweiher Wächtersbach und großer Weiher Meerholz) zum Umrunden einladen und immer wieder neue Blicke freigeben. Der Blick auf die Weiher ist von jedem Ort am Ufer her frei.

 

Zu den gartenbaulichen Eigenheiten in Meerholz gehört die Trennung in einen gartenähnlichen Teil oberhalb der Hangkante und den unteren Teil am großen Weiher. An der Hangkante hinter der Schlosskirche steht ein das Landschaftsbild prägender mächtiger Riesen-Mammutbaum.

 

Der große Weiher im unteren Teil wird durch seine Halbinseln und die beiden Inseln geprägt. So eröffnen sich dem Spaziergänger beim Umrunden immer wieder neue, liebliche Blickachsen. Der Park dürfte so noch in stärkerem Ausmaß vom Historismus geprägt sein als der Schlosspark Wächtersbach. Zur Umrundung des großen Weihers gehört auch ein Platanenhain.

 

Das Leben und Wirken Johannes Bodenbenders ist eng mit Meerholz verbunden. Er wurde am 23. Dezember 1801 in Kassel geboren. Sein Vater Konrad Heinrich stand bereits in kurfürstlichen Diensten und stammte aus Ebsdorfergrund bei Marburg, wo noch heute viele Bodenbender leben.

 

Sein Bruder Conrad Ernst (geboren am 9. Februar 1807) war ebenfalls Gärtner und arbeitete in Kassel-Wilhelmshöhe und Hanau-Wilhelmsbad.

 

Johannes Bodenbender kam über Kassel und mehreren Stationen in Bayern nach Hanau und schließlich nach Hailer. Dort war er von 1843 bis zu seinem Tod am 13. Mai 1866 ansässig. Er starb an einem Gehirnschlag, drei Monate bevor auch das Kurfüstentum von der Landkarte verschwand.

 

1836 heiratete er Friederike Christiane geb. Kübler. Sie überlebte ihn und starb am 11. Januar 1896 in Hailer.

 

Johannes Bodenbender wird als tüchtiger, fürsorglicher, arbeitsamer, pflichtbewusster, seinem Herrn treu ergebender Charakter beschrieben. Mit der 1848er Revolution fremdelte er wie sein Vater bereits mit der napoleonischen Fremdherrschaft. Er hat sich nicht nur um den Gartenbau, sondern auch um die Förderung der Landwirtschaft verdient gemacht.

 

Die Gestaltung der Platanenallee zwischen Hailer und Meerholz geht auf Johannes Bodenbender zurück. Ein entsprechender Brief Johannes Bodenbenders aus dem Jahr 1842 legt das nahe. Es geht in dieser Quelle ausdrücklich um die bis heute realisierte Beschattung des Trottoirs. Er schlug dort vor, Platanen aus einer Baumschule in Rumpenheim zu beschaffen. Zusammen mit einem mächtigen Einzelstück an der Schlosskirche, dem Platanenhain am großen Weiher und Einzelstücken im Ortskern von Hailer dürfte Bodenbender rund fünf Dutzend Platanen beschafft und gepflanzt haben.

 

Damit sind die Verbindungen nach Rumpenheim zu betrachten: Dort steht an der Schlosskirche ein Gedenkstein von 1811, der des Gründers bzw. Förderers der Baumschule Franke gedenkt. Der untergegangenen barocke Lustgarten (heute Schlosswiese) wird durch eine Platanenallee von der englischen Parkerweiterung geschieden.

 

Johannes Bodenbender wurde in Hailer begraben. Nach ihm wurde in Hailer auch eine Straße benannt.

 

(letzte Änderung dieser Seite am 16. Juli 2020)